Melitta Peters berichtet im September 2025

Mein Name ist Melitta Peters, geborene Didzonat, und ich wurde am 8. Juli 1950 in Grabow geboren, wo ich auch mein ganzes Leben verbracht habe. An meine ersten Lebensjahre oder meine Einschulung kann ich mich kaum erinnern. Meine Großmutter mütterlicherseits verstarb sehr früh, als meine Mutter erst 18 war. Meinen Großvater kannte ich nur noch schemenhaft; er passte auf mich auf, bevor er dement wurde. Mein Vater war ein Flüchtling aus Ostpreußen und hatte aus erster Ehe vier Kinder – meine Halbgeschwister, zu denen ich heute keinen Kontakt mehr habe. Ich selbst bin das einzige Kind aus der zweiten Ehe meines Vaters mit meiner Mutter.

Meine Schulzeit hier in Grabow, zuerst bei Herrn Kutz, der ein sehr lieber Lehrer war, den wir alle mochten, habe ich in guter Erinnerung. Er unterrichtete uns von der ersten bis zur vierten Klasse. Später hatten wir Herrn Tribian, der von der fünften bis zur siebten Klasse unterrichtete und schon etwas strenger war, aber alle Fächer abdeckte. Ab der siebten Klasse ging es dann zur großen Schule nach Lüchow, was für uns eine große Umstellung war. Wir waren ungefähr 14 Jahre alt und dachten, wir würden nie wieder nach Hause finden. Dort hatten wir zum Beispiel einen Mathelehrer, Herrn Teske, bei dem wir Grabower Schüler besonders Nachhilfe in Bruchrechnung bekamen, da wir das in Grabow nicht gelernt hatten. Erdkunde war mein Lieblingsfach, Musik mochte ich nicht so gerne, da ich nicht singen konnte. Bei Frau Tribian hatten wir Mädchen Handarbeit.

Nach der neunten Klasse erfüllte ich mir meinen großen Traum und begann eine Ausbildung zur Friseurin. Ich hatte schon als Kind meinen Cousin in Woltersdorf besucht, der ein Friseurgeschäft hatte, und fand das immer toll – diesen Beruf wollte ich unbedingt erlernen. So lernte ich drei Jahre lang bei Fred Walter in Lüchow. Danach arbeitete ich noch zwei weitere Jahre bei ihm als ausgelernte Friseurin. Die Bezahlung war damals nicht üppig – im ersten Lehrjahr 70 Mark, dann 80, und als ausgelernte Kraft 100 DM im Monat – aber wir bekamen gutes Trinkgeld, was das Gehalt etwas aufbesserte. Es war eine arbeitsreiche Zeit, die Leute gingen damals vielleicht öfter zum Friseur als heute; wir hatten immer viel zu tun. Besonders erfüllend war es, wenn die Kunden mit ihrer neuen Frisur zufrieden waren, denn damals wurden die Haare noch hoch toupiert oder zu kunstvollen Hochsteckfrisuren frisiert, was viel Geschick erforderte.

Mit 17 lernte ich meinen Mann Archie kennen, und wir heirateten, als ich 20 war und schwanger. Anderthalb Monate später, im Jahr 1970, kam unsere erste Tochter, Anja, zur Welt. Vier Jahre später, 1974, folgte Carmen, und 1979 unser Sohn Christian. Nachdem Anja geboren war, habe ich nicht mehr fest als Friseurin gearbeitet. Stattdessen holte mich Herr Walter immer noch am Wochenende als Aushilfe, während meine Mutter sich um Anja kümmerte. Nach Carmens Geburt hörte ich dann ganz auf mit dem Friseurberuf und widmete mich ganz meiner Familie und dem Haushalt.

Als Mutter war ich dann hauptsächlich zu Hause. Unsere Mädchen, Anja und Carmen, gingen damals nicht in den Kindergarten. Ich bin nicht sicher, ob es hier in Grabow überhaupt schon einen Kindergarten gab, oder ob ich die Möglichkeit einfach nicht genutzt habe. Christian hingegen ging das Jahr vor seiner Einschulung in den Kindergarten in Lüchow. Unsere Nachbarin Adelheid Behn, deren Sohn Manuel nur sechs Wochen älter war als Christian, nahm die beiden Jungs morgens immer mit im Bus zum Kindergarten. Wenn Adelheid länger arbeiten musste, holte Monika oder ich die beiden dann am Busbahnhof wieder ab. Es war eine organisatorische Herausforderung, aber wir haben es gut gemeistert. Meine Hauptaufgabe war zu dieser Zeit, das Haus zu führen und mich um unsere Kinder zu kümmern. Dazu kam mit den Jahren die Unterstützung meiner Eltern. Sie wurden älter und körperlich eingeschränkter, daher habe ich für sie gekocht, geputzt und sie im Alltag versorgt. Sie sind beide hier zu Hause verstorben, mein Vater mit fast 91 und meine Mutter mit 87 Jahren.

Die Schule in Grabow wurde 1977 geschlossen, daher wurden unsere Kinder alle in Lüchow eingeschult. Anja war sogar unter den ersten Schülern der neuen Grundschule in Lüchow. Alle drei haben ihren Realschulabschluss gemacht. Carmen hätte sogar aufs Gymnasium gehen können, wollte aber lieber gleich Geld verdienen.

Unsere älteste Tochter Anja, geboren 1970, entschied sich, Hotelfachfrau zu lernen. Sie absolvierte ihre Ausbildung im Parkhotel in Hitzacker, das zu jener Zeit als das vornehmste Hotel im Landkreis galt. Nach ihrer Realschulzeit besuchte sie zusätzlich die Handelsschule. Während ihrer Ausbildung wohnte sie in einer Wohngemeinschaft in Hitzacker, da sie anfangs noch keinen Führerschein besaß, was die Fahrtwege von Grabow aus erschwert hätte. Auch nachdem sie einen Führerschein und ein eigenes Auto hatte, blieb sie in Hitzacker wohnen. Heute ist Anja, die schon seit Längerem geschieden ist, und wohnt allein in Breese in der Marsch. Sie hat zwei erwachsene Söhne. Ihr ältester Sohn Sebastian, inzwischen 31 Jahre alt, lebt und arbeitet in Berlin. Ihr zweiter Sohn Johann erlernte den Beruf des Bergmanns und arbeitete zunächst unter Tage in Gorleben, danach auf Schacht Konrad in Salzgitter. Inzwischen ist er aber wieder zurückgekehrt und an der Verfüllung dort tätig. Beide Söhne haben Freundinnen und wohnen mit ihnen zusammen.

Carmen, geboren 1974, unsere zweite Tochter, lernte nach ihrem Realschulabschluss Verwaltung beim Landkreis. Aufgrund ihrer guten Noten hätte sie sogar das Gymnasium besuchen können, doch ihr war es wichtiger, früh ins Berufsleben einzusteigen und eigenes Geld zu verdienen. Heute ist sie immer noch in der Verwaltung tätig, inzwischen in Sarstedt, wo sie auch ihren Wohnsitz hat. Zunächst blieb Carmen noch zu Hause wohnen, zog aber später mit Freunden in Dangensdorf zusammen. Dort heiratete sie auch ihren ersten Mann Dirk. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor: Max, der heute 21 Jahre alt ist und seine Ausbildung bei SKF absolvierte, bevor er zu einer Firma aus München im Motorenbereich wechselte, und Leo, der 19 Jahre alt ist und bei der Firma Schlüter lernt, einem Unternehmen mit mehreren Niederlassungen in ganz Deutschland, das ebenfalls im Motorenbereich tätig ist. Es scheint, als hätten beide Jungs das technische Interesse von ihrem Vater Dirk geerbt, da dieser auch immer gerne am Schrauben und Werkeln ist. Nachdem Carmen ihren ersten Mann verlassen hatte, nahm sie ihre Kinder mit und zog zunächst nach Lüchow. Später kaufte sie sich hier in Grabow, an der Ecke am Kreuzweg, ein Haus, in dem sie etwa ein Jahr wohnte. Sie war sehr stolz darauf, dies alleine finanziert und auf die Beine gestellt zu haben. Zu dieser Zeit war sie bereits mit ihrem jetzigen Mann Jens befreundet, doch er konnte beruflich bedingt nicht nach Grabow ziehen. Vor Kurzem hat Carmen zum zweiten Mal geheiratet, die Trauung fand in Sarstedt statt. Mit ihrem jetzigen Mann, der Bauingenieur ist, hat sie noch zwei kleine Töchter zur Welt gebracht: eine Fünfjährige und eine Zweijährige. Carmen wird dieses Jahr 51.

Unser jüngster Sohn Christian, geboren 1979, wollte unbedingt Tischler lernen. Er absolvierte seine Ausbildung in einer kleinen Tischlerei Cornelius in Kussebode. Er war sehr talentiert, besonders im Restaurieren alter Möbel, ging immer gerne zur Arbeit und konnte wirklich etwas. Nach seiner Ausbildung wohnte er zunächst noch zu Hause, zog dann aber als Tischler nach Hamburg, wo er erst bei einer kleinen Firma und später bei Küchenaktuell arbeitete. Leider verunglückte unser Christian vor zwölf Jahren, als er mit nur 32 Jahren auf dem Weg zur Arbeit bei Hanndorf auf der Autobahn einen Sekundenschlaf hatte. Da er nicht angeschnallt war, wurde er aus dem Auto geschleudert und verstarb sofort. Das war ein unbeschreiblich schreckliches Erlebnis für uns, wie ein Film, der neben einem abläuft. Wir erhielten die Nachricht an einem Samstagmorgen um halb sieben von der Polizei Lüneburg, als mein Mann und ich beim Essen saßen – Kartoffelmus und Hering in Sahnesoße, ein Gericht, das wir danach monatelang nicht essen konnten. Christian hinterließ seine Frau Simone, die aus Neritz stammt, und eine Tochter, Johanna, die nur zwei Wochen nach seinem Tod ihren ersten Geburtstag feierte. Christian und Simone hatten sich gerade ein Haus in Barum bei Lüneburg gekauft und mit viel Hilfe von Freunden und Familie komplett renoviert. Simone ist heute 44 und lebt immer noch allein in diesem Haus. Zu unserer Enkeltochter Johanna haben wir leider nur wenig Kontakt, zuletzt sahen wir sie auf Carmens Hochzeit.

Nach meiner Friseurzeit und der Zeit als Hausfrau und Mutter arbeitete ich später saisonal in einer Gewürzfabrik in Seerau. Ab 1987 begann ich dann als Reinigungskraft für den Landkreis. Ich startete als Aushilfe an der Realschule in Lüchow und bekam dann zum 1. August 1988 eine Festanstellung. Fast 30 Jahre lang habe ich für den Landkreis gearbeitet, zunächst an der Realschule, dann an der Hauptschule und später am Gymnasium. Am Anfang war es so, dass uns sogar Stunden bezahlt wurden, die wir gar nicht gearbeitet haben, einfach um versichert zu sein – jeder hatte vier Stunden. Später wurde das umgestellt und mir wurde gesagt, ich würde zehn Stunden im Jahr bezahlt bekommen, die ich gar nicht arbeitete. Daraufhin wechselte ich zum Gymnasium. Ich bin immer gerne zur Arbeit gegangen, muss ich sagen, denn ich war unter Leuten, und im öffentlichen Dienst haben wir auch gut verdient und hatten eine Zusatzversicherung, die ich heute noch habe.

Mit der Zeit wurden die Sparmaßnahmen immer deutlicher. Am Gymnasium war ich zunächst mit einer Kollegin im sogenannten Neubau tätig, wo die Fachräume untergebracht waren. Als meine Kollegin vor mir in Rente ging, wurde ihre Stelle durch eine Reinigungsfirma besetzt. Später war ich dann ganz allein für beide Etagen zuständig. Uns wurde gesagt, dass eine Etage liegen bleiben würde, was bedeutete, dass man am nächsten Tag umso mehr Müll und Dreck hatte und doch versucht hat, überall durchzugehen. Die Arbeit wurde immer mehr und anspruchsvoller. In den Ferien wurde immer ein Grundputz gemacht: Klassenräume wurden ausgeräumt, und die Fußböden wurden mit Maschinen abgeschrubbt. Das war körperlich anstrengend, aber es hat mir gefallen, wenn die Böden danach wieder glänzten. Ich erinnere mich, wie ein Lehrerpaar, die Rosbachs, mal fragte: "Frau Peters, was haben Sie mit dem Fußboden gemacht?" – sie waren begeistert, und ich hatte schon Angst, einen Anschiss zu bekommen! Seit dem 1. Dezember 2015 bin ich Rentnerin, und obwohl die Umstellung, nicht mehr täglich unter Menschen zu sein, anfangs groß war, treffen wir uns noch immer mit zwei ehemaligen Kolleginnen (eine ist leider verstorben) zum Frühstück oder zum Essen, was sehr schön ist.