Manfred Kaiser berichtet im September 2025 

Ich bin Manfred Kaiser, geboren am 21. September 1957, und meine Wurzeln reichen tief in den Boden Grabows. Meine Familie ist hier seit annähernd 500 Jahren ansässig, was Professor Horst Nottbohm in seiner Chronik belegt hat – eine lange Geschichte, die mein Gefühl der Verbundenheit zu diesem Dorf nur verstärkt.

Meine Kindheit verbrachte ich bei meinen Großeltern Heinrich und Emma Kaiser. Mein Großvater Heinrich, der bereits 1898 geboren wurde, war die prägendste Figur meines Lebens. Er war Gründungsmitglied im Schützenverein und der Feuerwehr und lebte nach dem Motto: "Träume sind nicht Taten, ohne Arbeit wird dir nichts geraten." Dieses Sprichwort ist auch zu meinem eigenen Leitspruch geworden. Er stand um 4 Uhr auf und ging um 21 Uhr zu Bett – ein Arbeitsethos, der mich tief beeindruckt hat. Opa Heinrich, der immer fröhlich war, war es auch, der Grabow mitgeprägt hat, indem er noch bis 1969 Frondienste auf dem Untergut leistete und unermüdlich in der Gaststätte meiner Tante Elfriede Gebensleben aushalf. Diese Kneipe, wie wir sie nannten, war der Mittelpunkt des Dorflebens, und ich bin dort quasi aufgewachsen. Dort sah ich, wie die "Erwachsenen" aus Hamburg, die auswärts arbeiteten, mit Affen und Schlangen reinkamen, Esel wurden sogar reingezogen – eine lebendige, bunte Welt. Opa Heinrich war für mich ein echter Vorzeigemann, der auch mit 14 Jahren sagte: "Ab nach Lüchow, du gehst zur Post." Eine klare Ansage, die mein gesamtes Berufsleben bestimmen sollte.

Meine Schulzeit begann hier in Grabow, von der ersten bis zur vierten Klasse. Ich erinnere mich an Lehrer wie Herrn Tribian, der nicht nur Geige im Musikunterricht spielte, sondern auch einen "Leibje" hatte – Erhard Kuhn, der ihm morgens in die Jacke half und sie ihm auch wieder auszog. Wir Kinder haben zu Hause nur notdürftig gegessen und waren dann draußen, sportlich aktiv bei Bundesjugendspielen hier in Grabow oder Küsten. Als Jugendlicher habe ich dann beim Turn- und Sportverein in Lüchow trainiert und spielte mit Wustrow in der höchsten Jugendspielklasse. Mein Traum vom Profi-Fußballer war damals sehr lebendig, und ich habe bis 30 weder geraucht noch Alkohol getrunken, alles dem Sport untergeordnet. Meine Schulfreunde von damals, Jochen Schweig, Heinz Adolf Schweig, Rainer Clasen, die Wichmann Gang und viele andere, sind heute noch meine engsten Wegbegleiter im "Stammtisch Achterbahn". Wir haben uns nie aus den Augen verloren. Die "Kurzschuljahre" damals bedeuteten, dass wir in einem Jahr zwei Schuljahre absolvierten. Ich war mit 15 Jahren mit der Schule fertig und begann mein Berufsleben, während meine Kinder heute erst mit 25 oder 27 ins Berufsleben starten. Das prägt einen anders.

Die Post war dann fast 50 Jahre lang meine "Berufung". Ich begann als Postjungbote, lernte alle Facetten des Berufs kennen – von rechtlich korrekten Zustellungen bis zur Berufsschule. Später wechselte ich an den Schalter, in Büros und schließlich zur Postbank. Es war ein abwechslungsreicher Beruf in einem Staatsunternehmen, das mir viel Vertrauen und eigenverantwortliches Arbeiten ermöglichte. Dank meiner guten Leistungen im Postsportverein hatte ich auch immer Freiheiten für den Fußball.

Meine Frau Anke, geborene Schulz, lernte ich in der Diskothek in Langendorf kennen. Sie war eine Bauerstochter aus Grippel, ich liebte das Tanzen, sie auch – ein echter Glücksgriff! In ihrer Familie wurde ich sofort als Sohn akzeptiert. Wir haben bereits Silberhochzeit gefeiert und ich schätze es als großes Glück, so lange mit ihr zusammen sein zu dürfen.

Seit vier Jahren bin ich Rentner. Die Umstellung war anfangs schwierig, da ich die Bestätigung vermisste, die ich in meinem Berufsleben als Ansprechpartner für so viele Menschen hatte. Doch mittlerweile fühle ich mich als Pensionär angekommen und richtig wohl. Das dörfliche Leben ist reich an Aktivitäten. Wenn man auf den "gelben Zettel" schaut, sieht man unzählige Termine – man kann an jedem Tag etwas machen.

Der Zusammenhalt im Dorf ist das, was Grabow für mich ausmacht. Als man mich im Schützenverein "rausschmeißen" wollte, stellten sich meine Freunde schützend vor mich. Dieser tiefe Zusammenhalt zieht sich durch das ganze Dorf. Egal, was Anke und ich hier anfassen, es finden sich immer Menschen, die uns tatkräftig helfen. Ein jüngstes Beispiel ist die Grillstelle am Schulgebäude: Der "Ölmann" und ich initiierten die Pflasterarbeiten, und 16 Personen halfen freiwillig über drei Monate hinweg nach Feierabend mit. 20 weitere kamen zum Gucken, brachten Kaffee und fragten nach. Als ein Trecker gebraucht wurde, war Klaus Wigmann am nächsten Tag da. Das ist für mich gelebter Zusammenhalt!

Auch wenn der Turn- und Sportverein sich im Wandel befindet und ein Ende alter Strukturen absehbar ist, sehe ich darin eine Chance für Neues.. Ich bin davon überzeugt, dass aus diesem starken Gemeinschaftsgefühl heraus immer etwas Neues entstehen wird. Es ist nicht schlimm, wenn Altes zu Ende geht, denn dann kann man Neues beginnen. Ob es ein Gesangverein ist, ein Bosselturnier der Feuerwehr mit gemeinsamem Grillen und Tanzen – dies alles zeigt, dass die Dorfgemeinschaft lebt und uns alles zum Leben und Glücklichsein gibt.

Ich erinnere mich auch gerne an Tante Elfriede Gebensleben, die nicht nur den Lebensmittelladen und die Kneipe führte, sondern auch eine beeindruckende Frau war, die ihr Leben, auch unter schwierigen Umständen, meisterte und vieles "auf Buch" verkaufte. Ihr Schwiegersohn Bernhard Schmidt war später auch mein Post-Kollege. Auch an meine Tante Lydia und ihr Familienbuch erinnere ich mich gerne, und es ist schön zu sehen, wie ihr Sohn Burkhard Kulow diese Geschichte auf einer Webseite aufarbeitet.

Für mich ist Grabow der Ort, an dem meine Familie verwurzelt ist, an dem der Zusammenhalt stark ist und wo das Leben immer weitergeht, stets bereit für neue Anfänge.