Kai Basedow berichtet im September 2025
Ich bin Kai Basedow 52 Jahre alt, selbständig und Ortsbrandmeister in der Ortswehr Grabow (Wendland). Mit 18 Jahren bin ich in Wietzetze in die Feuerwehr eingetreten und stand von da an immer zur Verfügung, wenn die Sirene ging. Diese Möglichkeit sich ehrenamtlich zu Engagieren und mich für das Miteinander einzusetzen ist eine. Nicht die Einzige aber wie ich finde eine wichtige, wertvolle und meine. Ich musste bislang keine schweren Einsätze erleben. Außer einem. In dem ging es buchstäblich um mein Leben. Das ist jetzt meine Variante zurückzugeben was mir ehrenamtliche Feuerwehrleute nachts in der Mitte von Nirgendwo bei einem Verkehrsunfall geschenkt haben und nichts dafür bekommen haben. Außer meinem Dank, zwei Kisten Bier und dem Wissen ein Leben gerettet zu haben.
Unsere heutige Feuerwehrarbeit unterscheidet sich stark von der in der Vergangenheit.
Damals waren Hausbrände aufgrund der Feuerstätten und der Brandlasten häufiger. Verkehrsunfälle, technische Hilfeleistung und Hochwasserschutz dafür nicht so ausgeprägt.
Diese Entwicklung birgt Veränderung. Die Einsatzzahlen werden geringer, die Anforderung an die Handhabung des technischen Gerätes nimmt zu. Dazu kommt, dass die digitale Welt die persönliche Begegnung immer weiter ablöst. Kurz um: Es braucht mehr Wissen und Können für weniger Einsätze und weniger Gesellschaft die dieses Ehrenamt mit Leben füllen möchten.
Es ist daher meine Überzeugung, dass dieses lokale Ehrenamt nur mit Stärkung der Kameradschaft möglich ist und die Einsatzfähigkeit durch intensives, praxisnahes Üben zu sichern. Ich verstehe es so: Lass uns so viel Spielen und Fehler machen wie es geht um dann, wenn es ernst wird so aufgestellt zu sein wie der der die Hilfe braucht sie bekommt und wir stolz sein dürfen einen guten Job gemacht zu haben. Dafür ist eine gelebte Kameradschaft bedingendes Fundament. Wir machen bei unseren Diensten sowohl theoretische Abende in denen es um Sicherheit, Regeln beim Einsatz, Versicherungsschutz und Einsatzstrategien geht als auch simulierte Löscheinsätze, Wasserversorgung aus öffentlichen Gewässern, Verkehrsunfälle und Wettkampfübungen.
Die Feuerwehr Grabow setzt sich aus vier Abteilungen zusammen:
Die Löschzwerge (die Kleinsten werden engagiert von Tatjana Behn betreut),
die aktiven Kameraden, die die Einsatzabteilung bilden,
die Altersgruppe, in der sich die Kameraden in der Feuerwehrrente zusammen finden und die fördernden Mitglieder die mit ihrem finanziellen Beitrag unterstützen.
Eine Jugendfeuerwehr wird derzeit mangels Masse nicht angeboten.
Vielleicht findet sich auf diesem Wege eine Gruppe die das möchte und vorantreibt.
Wie bereits erwähnt, ist die Werbung neuer Kameraden gerade im Rahmen der Digitalisierung eine der größten Herausforderungen. Wir brauchen die Praxis, das Anfassen die Niederlagen, die Läuterung durch die Realität die dem Erfolg eine Qualität verleihen. Stattdessen werden auch die Ausbildung und die Dokumentation unserer Arbeit immer synthetischer. Wenn wir das Retten, Bergen, Löschen und Schützen aus dem Homeoffice bewältigen ist es dann so weit. Unser leben wird dann von einer KI gelebt. Gefühl, Instinkt Entschlossenheit, Begeisterung und Enthusiasmus werden dann vielleicht als politisch inkorrekt verboten.
Bevor es so weit ist, üben wir uns im Wettstreit wie zum Beispiel dem Kreiswettkampf bei dem wir seit langem mal wieder im vorderen Drittel mitgespielt haben und in diesem Jahr die Leistungsspange erkämpft haben. Keine Frage, dass die Wettkampfgruppe da ein kleines bisschen Stolz ist.
Die Feuerwehr Grabow richtet jedes Jahr ca. 8 Veranstaltungen für das Dorf aus.
Osterfeuer, Laternenumzug Christbaumschmücken um nur Beispiele zu nennen.
Hier kommen wir zu einem Phänonen. Die Feuerwehrkameraden möchten sich nicht länger in dem Maße für diese Freizeitgestaltung einsetzen. Das Dorf beteiligt sich nicht in der Tiefe (durch Besuch und Engagement) in der wir es uns wünschen würden (schließlich machen wir es für SIE) und die umliegenden Vereine neiden uns unseren Erfolg. Was stimmt hier nicht? Alle dürfen mit machen und sich an dem Erfolg laben, den sie bereits mit Ihrer Anwesenheit mehren. Das ist flächendeckend, also über die Grenzen unseres Dorfes hinaus zu beobachten. Überall sieht man, dass die Begegnung und die Huldigung des Engagements gewünscht ist, die Saat dafür aber nicht gelegt wird, weil es ja fruchtlos werden könnte… Hier meine klare Wahrnehmung… Wer etwas nur „um zu“ tut. Sollte es sein lassen. Entweder er tut es gerne, jetzt, für sich, ohne Erwartung oder eben nicht. Eine Forderung oder Erwartung vor die Initiative zu stellen ist zum Scheitern verurteilt.
Wir sind in diesem Ehrenamt eine hoheitliche Verantwortung eingegangen.
Wenn die Sirene geht, funktionieren wir– egal, ob Verkehrsunfall, Brand oder Hochwassereinsatz.
Da fragt niemand nach dem privaten Streit von gestern.
Die sinkende Zahl der Einsätze, in Ermangelung an Realbedingungen zur praktischen Übung und damit auch die Spiegelung der Wertschätzung unserer Arbeit machen es nicht leichter.
Gibt es eine Alternative? Mir fällt keine ein.
Die Vorstellung, „was wäre, wenn wir es nicht täten…“ Du klebst am Baum, die Sirene geht und keiner kommt.
Wer möchte sich das vorstellen.
Für mich gibt es einen Leitgedanken:
Ja, ich kann verlieren und oder scheitern. Aber wenn ich aufgebe, habe ich bereits verloren.
Ich möchte mit diesem Gedanken gerne die Initiative zweier Frauen stärken und meinen Respekt ausdrücken, die unser Dorf und ihre Gemeinschaft stärken wollen. Sie haben sich eine gewaltige Aufgabe vorgenommen und brauchen alle Unterstützung. Gerne von jedem Einzelnen. Ein lebendiges Dorfleben lebt von jedem Einzelnen. Das ist für mich das, was das Dorfleben aus macht.
- hm